E-Branche auf der L.A. Auto Show zurückhaltend

Bild: © 2012 LA AUTO SHOW - Seltener Augenblick auf der LA Auto Show: Ein Stromer im Rampenlicht (hier der neue BMW i3)
Bild: © 2012 LA AUTO SHOW – Seltener Augenblick auf der LA Auto Show: Ein Stromer im Rampenlicht (hier der neue BMW i3)

Dass Automessen eine Welt für sich sind, versteht sich von selbst. Doch wie weit ist die Realität auf den Straßen wirklich von den präsentierten Vorzeigemodellen entfernt? In Sachen E-Mobilität zeigt Los Angeles zwei völlig unterschiedliche Gesichter.

Die aktuellen Elektrominis der L.A. Auto Show

Auf der L.A. Autoshow werden schon seit Jahren die sogenannten „green cars“ gefeiert. Immer wieder präsentieren Automobilhersteller die neuesten Entwicklungen mit Elektro- oder Hybridantrieb. Dieses Jahr stehen die Stromer Smart EV, Fiat 500e und BMW i3 im Rampenlicht der Messe. Wer die abgasfreien Autos auf den Straßen der USA erwartet, wird allerdings enttäuscht. Die elektrischen Kompaktwagen haben bis heute nicht die Massen erreicht. Kein Wunder, wenn selbst Fiat dem Wechsel zur elektrischen Fortbewegung halbherzig gegenüber steht. Das Elektromodell 500e der Italiener soll erst einmal als Miniserie produziert werden.

Magere Verkaufszahlen für Stromer

Die große Elektroautowelle ist noch nicht in Sicht, wenn man den Blick über die Highways in Los Angeles schweifen lässt. Weder Hybrid- noch E-Autos trifft man auf den vielspurigen Verkehrsadern. Natürlich sind die elektrifizierten Fahrzeuge kaum als solche zu erkennen. Doch die Verkaufszahlen zeigen deutlich, was dem Blick des Laien entgeht. Bis Ende Oktober wurden im Jahr 2012 in den USA lediglich 350 000 Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: Insgesamt wurden in diesem Zeitraum knapp 12 Millionen Neuwagen verkauft. In Deutschland scheinen die Stromer und Hybriden noch weniger Chancen zu haben. Hierzulande verfügten unter den insgesamt 2,5 Millionen Neuzulassungen 2 387 Autos einen Elektromotor und 18.129 einen Hybridantrieb.

Elektroautos nur in Kleinserie

Einige Enthusiasten lassen sich aber von den diesjährigen Verkaufszahlen nicht entmutigen. Der kalifornische Elektroautohersteller Tesla baut ausschließlich E-Autos. Aktuell vom Band läuft das neue Tesla Model S. Die viertürige Limousine ist eine Mischung aus Jaguar und Maserati und spricht vor allem gehobenere Einkommensklassen an oder jene Kunden, die sich gerne dazu rechnen möchten. Bislang schreiben die Kalifornier mit ihrem Konzept noch keine schwarzen Zahlen. Nicht ohne Grund konzentrieren sich deshalb die großen Autokonzerne auf den Verkauf konventioneller Modelle. Die Entwicklung einer abgasfreien Massenproduktion wird nicht ernsthaft verfolgt.

BMW und Mercedes mit zarten Innovationen

Wegen der mageren Verkaufserfolge investieren nur wenige Automobilhersteller weiterhin in die Entwicklung der E-Autos. Mercedes möchte mit Tesla als Partner zwei alternative Antriebe im Kleinwagen-Segment anbieten. Im kommenden Jahr soll der Smart als sportlicher SLS AMG mit vier Elektromotoren auf den Markt kommen. Gleichzeitig soll der Antrieb mittels Brennstoffzelle serienreif entwickelt werden. 2014 möchte Mercedes die B-Klasse mit Wasserstoff-Antrieb vom Band lassen. Wie schon lange angekündigt soll der BMW i3 als Stromvariante nun endlich 2013 auf den Markt kommen. Später soll zudem ein sportlicher Hybrid nachgeschoben werden.

Automobilhersteller streichen E-Serie

Andere Autohersteller haben ihre Vorhaben in Richtung E-Mobilität vollständig aus dem Programm genommen. Toyota kündigte die Kooperation mit BMW und Daimler auf, in der die Japaner einen kompakten Stromer für die Stadt in Serie bauen wollten. Doch ganz den Platz räumen möchte Toyota nicht. Die Japaner bauen das iQ-Modell zum Elektroauto um. 100 Exemplare sollen für den „Feldversuch“ an Firmen in den USA und Japan gehen. Wie der Toyota iQ kommen die meisten Elektrowagen als umgebaute Benzinversionen daher – das gilt auch für den Smart EV und für den Fiat 500e. Ganz das Feld räumen wohl Audi und Opel. Während Audi die Serienproduktion des Elektroflitzers R8 E-Tron auf Eis legt, sagt Opel den Umbau des Modells Adam zum Stromer ab.

Kompaktes E-Segment in Warteschleife

Laut der Autohersteller decken die geringen Absatzmöglichkeiten nicht die Entwicklungskosten. Somit bleibt die kostspielige Technik auch für die nächsten Jahren nur den Luxusmodellen vorbehalten. Für bezahlbare Kleinwagen rechnet sich die umweltfreundliche Alternative erst ab einer hohen Stückzahl. Vor einer großen Serienproduktion schreckt die Automobilindustrie allerdings noch zurück. Die kompakten E-Minis wird man damit weiterhin nur auf Automessen bewundern können.

 

 

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